Van­li­fe: Ein Win­ter, wie er frü­her war.von am

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Van­li­fe: Ski­tou­ren-Basis auf Rädern

Ein Win­ter, wie er frü­her ein­mal war. Wei­ße Weih­nach­ten, Sil­ves­ter im Pul­ver­schnee und danach oft bis Ostern aus­rei­chend Auf­la­ge für tol­le Ski­tou­ren oder ein Pis­ten­ver­gnü­gen. So einen Win­ter haben wir schon län­ger nicht erlebt. Zwar brin­gen ein­zel­ne Nie­der­schlags­er­eig­nis­se ger­ne mal Unmen­gen an Schnee (manch­mal auch zu viel), aber ein durch­gän­gi­ger Win­ter lässt schon eini­ge Zeit auf sich war­ten. Fol­ge den Van­li­fe-Spu­ren unse­rer Freun­de von Bikefex.

Für uns Win­ter­sport-Fans, ins­be­son­de­re Ski­tou­ren­ge­her wie wir es sind, war die Tou­ren­aus­wahl auch schon mal ein­fa­cher. Der Lawi­nen­la­ge­be­richt wur­de gecheckt, ein kur­zer Blick ins Forum und schon war das nächs­te Aben­teu­er nur mehr eine kur­ze Auto­fahrt ent­fernt. Heu­te dau­ert die Recher­che län­ger — gibt es dort über­haupt Schnee, was zei­gen die Web­cams, war in den letz­ten Tagen jemand in der Regi­on unter­wegs? Dazu kommt, dass wir aus dem Osten mitt­ler­wei­le eine wei­te Anrei­se in die Ber­ge in Kauf neh­men müs­sen. Frü­her haben wir uns ein­fach kurz­fris­tig eine Selbst­ver­sor­ger­hüt­te gemie­tet und eine Woche im Jam­tal in Tirol, auf der Plan­ne­ralm in der Stei­er­mark oder rund um König Ort­ler in Italien/​Südtirol ver­bracht. Heu­te muss man die­se Hüt­ten bereits im Som­mer reser­vie­ren, und wer weiß ob’s im Win­ter dann aus­rei­chend Schnee hat und man am aus­ge­wähl­ten Ziel dann nicht bes­ser die Berg­schu­he aus­packt.

Fle­xi­bel müss­te man sein. Eine Home-Base auf Rädern, rol­len­de Pla­nung qua­si. Den Schnee­flo­cken hin­ter­her jagen und ohne Reser­vie­run­gen, Stor­no­ge­büh­ren und stän­di­gem Orga­ni­sa­ti­ons-Cha­os sei­ne Lei­den­schaft leben kön­nen. Für uns war also klar: Ski­tou­ren mit Cam­per-Van. Vol­ler Vor­freu­de auf unse­re neu gewon­ne­ne Frei­heit machen wir uns auf den Weg zu Gebets­roi­ther in Wien/​Hagenbrunn, um unser Win­ter-Aben­teu­er im Van zu star­ten.

Von Tetris zu Mika­do

Wir packen zuhau­se das Auto voll und fra­gen uns bereits jetzt, wie das alles in so einem Van unter­ge­bracht wer­den kann. Haben wir aus­rei­chend Platz, wer­den wir nachts frie­ren, gibt es aus­rei­chend Strom um Han­dy und Kame­ra zu laden? Wir wer­den sel­ber kochen, es uns abends im Bus gemüt­lich machen, etwas lesen, den nächs­ten Tag stress­frei pla­nen, ein Bier­chen trin­ken. Und Uno spie­len. Auch eine Gitar­re war im Gespräch, wie sich am Ende der vier Tage raus­stel­len wird, eine mehr als gute Ent­schei­dung, das sper­ri­ge Teil zuhau­se zu las­sen.

Das Gebets­roi­ther-Fahr­zeug unse­rer Wahl ist ein Adria Twin 600SPT Fami­ly. Was sich hin­ter die­sen  Abkür­zun­gen ver­steckt, wis­sen wir bis heu­te nicht. Wich­tig war uns ein Eta­gen­bett im Heck, um Platz für maxi­mal vier Erwach­se­ne zu haben. Die „Two and a half man“ Crew, bestehend aus Klaus, unse­rem Hund Road und mir, wer­den die Tage von Freun­den und Fami­lie an ver­schie­de­nen Orten besucht wer­den. Um unse­re Fle­xi­bi­li­tät nicht auf­ge­ben zu müs­sen, benö­ti­gen wir Platz für mehr als zwei Per­so­nen im Bus.

Mit wenig Cam­ping-Erfah­rung machen wir uns auf den Weg in die Stei­er­mark. Rund um das Tote Gebir­ge gibt es eini­ge Tou­ren auf unse­rer Todo-Lis­te sowie Stell­plät­ze ein­sam am Berg bzw. an den Start­punk­ten der Ski­tou­ren. Wir möch­ten auf die aktu­el­len Ver­hält­nis­se reagie­ren kön­nen und auch mal kurz­fris­tig unser Lager ver­le­gen. Unter­wegs machen wir den ers­ten Kffee-Stop und mer­ken rasch: #van­li­fe muss geübt sein. Wo haben wir noch­mal den Kaf­fee hin­ge­räumt? Und hast du die Bial­et­ti gese­hen? War­um zum Teu­fel lie­gen eigent­lich die Ski­er vor dem Kühl­schrank?

Ski­fo­an is des Lei­wands­te

Nach einer lan­gen Fahrt errei­chen wir das Pla­teau auf der Tau­plitz Alm. Der stol­ze Preis für die Auf­ahrt über die Maut­stra­ße ist bereits ver­daut, und auch die wei­te­ren neun Euro für den Nacht­park­platz sind zu ver­kraf­ten. Man wirbt mit Toi­let­ten und Ser­vice für Cam­per und Wohn­mo­bi­le. Der Nacht­park­platz ist von die­sen Ein­rich­tun­gen aller­dings sehr weit ent­fernt und man hat nicht das Gefühl, will­kom­men zu sein. Soll uns nicht wei­ter stö­ren — wir sind hier, direkt am Berg, im Win­ter und kön­nen mor­gen die Ski­er mit Fel­len direkt vor der „Woh­nung“ anle­gen.

Doch erst­mal muss ein Platz für die lan­gen Bret­ter gefun­den wer­den. Unter dem Bett las­sen sich die Tei­le wäh­rend der Fahrt gut durch laden. Doch wenn man erst­mal steht und sein Lager für die Nacht berei­tet, dann ver­sper­ren die Ski­er den Zugang zum Kühl­schrank und zur Nass­zel­le. Kein Essen, kein Klo, kei­ne Dusche, kei­ne Opti­on. Also raus damit unter den Bus. Neben uns par­ken zwei wei­te­re Win­ter-Cam­per. Ein Wohn­mo­bil auf LKW-Basis und ein eben­falls rie­si­ger Iveco mit Aus­bau. Der Style-Fak­tor mit einem Alko­ven lässt beträcht­lich zu wün­schen übrig, sind wir uns schnell einig. Aller­dings hat es uns der von außen zugäng­li­che Gepäck­raum im Heck des Wohn­mo­bils ange­tan. Aber das Gras ist beim Nach­barn ja bekannt­lich immer grü­ner. Gras inter­es­siert uns heu­te wenig, es hat noch Pul­ver­schnee und wir ver­schwin­den in unse­rem hei­me­li­gen Van zum Abend­essen.

Wald­geis­ter und ande­re Schre­ckens­ge­spens­ter

Früh mor­gens star­ten wir los. Den geo­gra­phisch erkauf­ten Start­vor­teil möch­ten wir nut­zen um mög­lichst allei­ne am Berg zu sein. Schnell Früh­stück zube­rei­tet, Kaf­fee gebrüht und dann nix wie raus in die klir­ren­de Käl­te. Eines wis­sen wir bereits jetzt: die Stand­hei­zung und Warm­was­ser- Auf­be­rei­tung funk­tio­nie­ren bes­tens.

Der Schnee knirscht unter den Fel­len, in der Fer­ne glit­zern die Kris­tal­le in den ers­ten, noch sehr fla­chen Son­nen­strah­len. Wir gehen ost­wärts durch das Ski­ge­biet der Tau­plitz — unser Ziel das Gro­ße Tragl mit 2.184 m See­hö­he und die danach fol­gen­de Abfahrt durch den Geis­ter­wald zur Öder­nalm. Wäh­rend wir, in Gedan­ken ver­sun­ken, über die lee­ren Pis­ten und Loi­pen Rich­tung Stei­rer­see schlen­dern, hören wir es hin­ter uns plötz­lich Brum­men. Kurz danach schie­ßen zahl­rei­che Ski­doos an uns vor­bei. Bis zu drei oder vier Gepäck­an­hän­ger im Schlepp­tau, manch­mal mit Gäs­ten besetzt, aber allen gemein ein Höl­len­tem­po. Das war’s mit der Ruhe, wir ver­zie­hen uns an den Pis­ten­rand und sind froh, nach einer hal­ben Stun­de das Alm­ge­biet end­lich ver­las­sen zu kön­nen. Ein reges Trei­ben hier am Berg, die zahl­rei­chen bewirt­schaf­te­ten Hüt­ten und Cha­lets für Selbst­ver­sor­ger müs­sen ent­leert und am Sams­tag, am Tag des Wech­sels, wie­der mit neu­en Gäs­ten befüllt wer­den.

Wir genie­ßen unse­re ers­te kur­ze Pau­se in der Ein­sam­keit des Toten Gebir­ges. Micha­el, ein Freund der uns heu­te beglei­tet und mit Abstand den kleins­ten Ruck­sack hat, über­rascht uns immer wie­der mit Süßig­kei­ten. Dies­mal zieht er, wie ein Zau­be­rer, einen Sack Man­ner-Schnit­ten aus sei­nem „Air­bag-Hut“ her­vor. Die Ski­tou­ren hier in der Regi­on sind gekenn­zeich­net durch lan­ge Zustie­ge. Die kars­ti­gen und weit­läu­fi­gen Pla­teaus zwi­schen Pyhrn­pass, Hin­ter­sto­der und dem Aus­seer­land las­sen Wild­nis-Gefüh­le auf­kom­men. Tief ver­schnei­te Ber­ge soweit das Auge reicht. Wir nähern uns lang­sam dem Gip­fel des Gro­ßen Tragls und sind begeis­tert vom Beginn die­ses
Van-Aben­teu­ers.

Der stark­te Wind lässt uns nicht lan­ge ver­wei­len. Pri­maloft-Jacke anzie­hen, Fel­le abzie­hen, Ski­schu­he fixie­ren und ab geht die Post durch den Geis­ter­wald. Fels­wän­de wie in den Dolo­mi­ten, brei­te Kare und schma­le Rin­nen. Alles da, für einen abwechs­lungs­rei­chen Ski­tou­ren-Tag. Erst unten auf der Öder­nalm machen wir Rast. Die lie­be­voll restau­rier­ten Hüt­ten leuch­ten in der Nach­mit­tags­son­ne und wir leh­nen uns ent­spannt bei Tee, Brot und den rest­li­chen Schnit­ten zurück auf unse­re Ruck­sä­cke. Nur der ein­stün­di­ge Gegen­an­stieg steht noch zwi­schen uns und einem wohl ver­dien­ten Bier aus dem Kühl­schrank im Van.

Das Wet­ter ist so fle­xi­bel wie wir

Wie­der zurück, schnap­pen wir uns die Cam­pings­es­sel und set­zen uns an den Rand des Berg­rü­ckens. Ein per­fek­ter Tag und auf­grund des frü­hen Starts noch lan­ge nicht zu Ende. Das Wet­ter für den nächs­ten Tag sagt Orkan-arti­ge Wind­bö­en vor­aus und ab Mit­tag soll es zuneh­mend bewölkt wer­den. Wir beschlie­ßen, unse­re sie­ben Sachen zu packen und unser Base-Camp zum Sto­d­erzin­ken zu ver­le­gen. Das Tief kommt aus Nord­west und wird die Tau­plitz mit vol­ler Wucht und vor allem frü­her errei­chen.

Erst vor weni­gen Wochen woll­ten wir in Eisen­erz bei Son­nen­auf­gang auf einem Gip­fel ste­hen. Die Lawi­nen­ge­fahr und unse­re Ein­schät­zung vor Ort, auf hal­bem Weg Rich­tung Ziel, lie­ßen uns aller­dings umkeh­ren. Vom Ski­ge­biet Sto­d­erzin­ken, auf ca. 1.800 m, haben wir nicht weit zum Gip­fel (2.048 m) und wir ver­su­chen hier unser Glück erneut. Pla­nung abge­schlos­sen, Ziel fixiert, Abfahrt. Am Beginn der Maut­stra­ße waren wir über­rascht, dass eine Au“ahrt mit dem Wohn­mo­bil 140,- Euro kos­tet. Bei Kon­su­ma­ti­on in einem der oben ange­sie­del­ten Betrie­be, ver­rin­gert sich der Betrag auf immer noch statt­li­che 25,- Euro. Wir rufen oben im Gast­haus Stei­ner an, doch im Win­ter gibt’s kei­ne Gut­schei­ne für Wohn­mo­bi­le. Also ver­su­chen wir unser Glück erneut bei der Maut-Hot­line. Man ist mehr als ent­ge­gen­kom­mend. Wir sol­len uns mor­gen, wenn wir wie­der unten am Schran­ken und somit beim Kas­sen­au­to­ma­ten ange­kom­men sind, noch­mal mel­den. Dann lässt man uns gegen eine klei­ne Gebühr wie­der raus. Wir ver­trau­en dem net­ten Herrn und fah­ren los. Ob das ein teu­rer Aus­flug wer­den wird?

Oben ange­kom­men keh­ren wir erst­mal im Stei­ner­haus ein und freu­en uns über eine Hop­fen­kalt­scha­le. Wir kom­men mit der Wir­tin ins Gespräch und erfah­ren, dass man das Ski­ge­biet vor kur­zem geschlos­sen hat. „Der Sto­d­erzin­ken hat sich somit mit Erfolg vom klei­nen Ski­berg zum gro­ßen Ent­schleu­ni­gungs­berg eta­bliert“, steht auf der Web­site. Wir fin­den es super, die Wir­tin Chris­ti­ne auch. Sie betreibt das Gast­haus bereits in der 3. Genera­ti­on, ihr Groß­va­ter hat beim Bau der Stra­ße gehol­fen. Die Anzahl der Gäs­te hat seit der Schlie­ßung zwar abge­nom­men, aber die Lebens­qua­li­tät in der Gas­tro­no­mie ist damit gestie­gen. Hier setzt man nun auf sanf­ten Tou­ris­mus, spricht vor allem Schnee­schuh­wan­de­rer, Ski­tou­ren­ge­her und Win­ter­wan­de­rer an. Uns gefällt das neue Kon­zept, und wir ho“en instän­dig, dass es für alle Lebens­raum­part­ner hier am Berg auch so bleibt und lang­fris­tig funk­tio­niert. Zumin­dest gibt es heu­te kei­ne rasen­den Ski­doos und nach einer net­ten Unter­hal­tung sowie ein paar Bier­chen spä­ter, wer­fen wir die Gas­ko­cher im Bus an.

Wir ernäh­ren uns vegan und haben nicht vor, es wäh­rend die­ses Aben­teu­ers im Bus auf­zu­ge­ben. Heu­te gibt es Wraps mit einer Fül­lung aus Cur­ry-Tofu-Scram­ble, Reis und Spi­nat. Klingt lecker? Ist es auch. Und weil ein vol­ler Bauch nicht ger­ne stu­diert, packen wir erst­mal die Uno-Kar­ten aus. Ori­gi­nal aus den 80er Jah­ren.

Die Ver­schleie­rungs­tak­tik der Son­ne

Um vier Uhr mor­gens klin­gelt der Wecker. Es fühlt sich an wie mit­ten in der Nacht — und gewis­ser­ma­ßen ist es das ja auch. Wie in Tran­ce ste­hen wir auf, kochen Tee und ver­zich­ten um die­se Zeit auf’s Früh­stück.

Mit Stirn­lam­pen bewaff­net zie­hen wir los, fol­gen den Auf­stiegs­spu­ren der Schnee­schuh­wan­de­rer des Vor­tags und stau­nen über die atem­be­rau­ben­den Tief­bli­cke in das ver­schla­fe­ne Enns­tal. Man­che Pis­ten­rau­pen am Hau­ser Kaib­ling und auf der Pla­nai sind immer noch unter­wegs. Was für ein Auf­wand, den­ken wir uns und ho“en für die Ein­woh­ner hier am Sto­d­erzin­ken, dass die nach­hal­ti­ge Ent­schei­dung zur Schlie­ßung für alle funk­tio­niert. Der Auf­stieg zum Gip­fel dau­ert nicht lan­ge und Chris­ti­ne hat uns danach zum Früh­stück ins Stei­ner­haus ein­ge­la­den. Das neh­men wir dan­kend an und sind begeis­tert, mal nicht abwa­schen zu müs­sen.

Der Sto­d­erzin­ken ist ein ein­ma­li­ger Aus­sichts­berg. Das Gip­fel­kreuz steht etwas öst­lich des höchs­ten Punkts auf einem klei­nen Fels­vor­sprung. Man genießt den Rund­um­blick über das Enns­tal, ins Tote Gebir­ge, in die Schlad­min­ger Tau­ern sowie auf den Dach­stein. Theo­re­tisch. Denn heu­te hül­len sich zumin­dest das Dach­stein­mas­siv sowie die Gip­fel rund um die Tau­plitz Alm bereits in dich­ten Wol­ken. Sturm­tief Uta war wohl etwas schnel­ler als gedacht. Den Son­nen­auf­gang wer­den wir hin­ter der Wol­ken­de­cke zwar nicht mit­er­le­ben, die Stim­mung ist den­noch gran­di­os. Wir machen Kaf­fee, genie­ßen es um 5:50 Uhr bereits am Gip­fel zu ste­hen und
freu­en uns auf eine Pul­ver­ab­fahrt zurück zum Van.

Ein Aus­flug in den Som­mer

Nach dem reich­hal­ti­gen und lecke­ren Früh­stück bei Chris­ti­ne ver­ab­schie­den wir uns vom Berg und es geht zurück ins Tal. Wir sind gespannt, wie teu­er unser Aus­flug nun wer­den wird. Doch nach einem kur­zen Tele­fo­nat mit der Maut-Info ö“net sich der Schran­ken, wir bekom­men ein SMS mit den Bank­da­ten und über­wei­sen sofort die 12,- Euro. Das läuft ja wie am Schnür­chen. Doch was macht man mit so einem ange­bro­che­nen Tag?

Eine Ski­tour macht kei­nen Sinn, die Sturm­bö­en sind auf knapp 100 km/​h ange­wach­sen. Da hat man im frei­en Gelän­de, am Berg, nichts ver­lo­ren. Wir crui­sen gera­de an den Süd­flan­ken des Grim­mings vor­bei und bekom­men Lust, zur Grim­ming­hüt­te (966 m) zu wan­dern. Die Ski­er dür­fen heu­te im Bett blei­ben — dort lie­gen sie näm­lich jetzt wenn wir „on the road“ sind. Von unten sieht es schnee­frei aus, doch nach den ers­ten Metern im dich­ten Wald fin­den wir eine durch­ge­hen­de Schnee auf den Wan­der­we­gen vor.

Mit­ten am Weg ent­de­cken wir die ers­ten Boten des Früh­lings und auch wenn wir uns aus tiefs­tem Her­zen noch nach Pul­ver­schnee seh­nen, so freu­en wir uns über Schnee­glö­ckerl und Früh­lings­kno­ten­blu­men. Die Hüt­te ist nicht bewirt­schaf­tet, ein klei­ner Kühl­schrank (oder eher Frost­schutz-Behäl­ter) ist mit Fru­ca­de, Cola und Bier gefüllt. Wir freu­en uns über die mor­gend­li­che Erfri­schung, genie­ßen das Früh­schop­pen und hin­ter­le­gen eine groß­zü­gi­ge Geträn­ke­spen­de! Heu­te Nacht sind wir nur zu zweit im Van. End­lich Platz, denkt sich wohl auch Road und freut sich über den hal­ben Ruhe­tag. Mez­ze-Boh­nen und Spa­ghet­ti mit gepimp­ter Toma­ten­sauce und Pini­en­ker­nen run­den den Abend ab. Wir packen die Land­kar­ten aus, pla­nen die nächs­te Tour und trotz gerin­ger Höhen­me­ter-Aus­beu­te fal­len wir hun­de­mü­de am Park­platz hoch über Wör­schach ins Bett. Der nächs­te Tag ver­spricht eben­falls sehr win­dig zu wer­den, dazu star­ker Schnee­fall und dem­entspre­chend schlech­te Sicht. Die nächs­te, und auf­grund des Wet­ter bereits bekann­te Tour, führt uns zur Hochmöl­bing­hüt­te. Der Park­platz auf knapp 1.000 m See­hö­he gehört uns allei­ne und der Aus­blick aus den Fens­tern ins Tal ist per­fekt.

Nachts rüt­telt der Sturm ordent­lich am Van und wir machen uns kurz Gedan­ken dar­über, ob so ein Bus auch umfal­len kann. Doch wir ver­trau­en den Ton­nen unter unse­ren Aller­wer­tes­ten und schla­fen zufrie­den ein.

Der Win­ter ist zurück

Wäh­rend es in der Nacht noch reg­ne­te wur­de der Schnee­fall für die frü­hen Mor­gen­stun­den bis in tie­fe­re Lagen vor­her­ge­sagt. Aber auch Qua­xi kann sich täu­schen und so wachen wir nicht in einem mit Schnee bedeck­ten Van auf, son­dern hören das pras­seln der Regen­trop­fen am Auto­dach. Es sieht um uns her­um auch nicht so aus, als wäre die Schnee­fall­gren­ze nur knapp über uns — so ent­schei­den wir uns kurz­fris­tig um und fah­ren ins Trie­ben­tal.

Dort erwar­tet uns wie­der tiefs­ter Win­ter und auch wenn wir wenig sehen und uns der Wind eis­kalt um die Nase weht, freu­en wir uns wie klei­ne Kin­der, die ers­ten Spu­ren Rich­tung Lat­ten­berg (2.018 m) zu zie­hen. An die­sem Tag blei­ben wir wohl auch die Ein­zi­gen. Die Tem­pe­ra­tu­ren sind weit unter Null gesun­ken und der Schnee friert an Roads Bart­haa­ren ein. Zeit, die Gip­fel­pau­se zu been­den und erneut den Gas­ko­cher im Van anzu­wer­fen.

Der letz­te Abend kün­digt sich an und mit ihm die Pla­nung der letz­ten Tour. Nun aber soll es tat­säch­lich schö­nes Wet­ter mit aus­rei­chend Son­nen­stun­den gegen den Vit­amin-D-Man­gel geben. Das ist jetzt fast ein wenig zu viel des Guten und wir ent­schei­den uns für eine Rou­te durch das nörd­lich aus­ge­rich­te­te Loi­gis­tal auf den Pyhrner Kampl (2.249 m). Eine lan­ge und Kräf­te rau­ben­de Tour aus dem Sto­d­er­tal in Ober­ös­ter­reich, im Nord­os­ten des Toten Gebir­ges. Wir packen zusam­men, bet­ten die Ski­er in den Van und düsen gen Nor­den. Beim Wei­her
Schaf­fer­reith, in der Nähe von Hin­ter­sto­der, ver­brin­gen wir die letz­te Nacht im Van und kön­nen erneut früh mor­gens ganz allein Rich­tung Berg auf­bre­chen. Die Son­ne lässt sich eine Zeit lang nicht bli­cken. Zu tief das Tal, zu schro” und hoch die vor uns auf­ra­gen­den Fel­sen. Doch auch das längs­te Tal ist irgend­wann zu Ende und so wär­men wir uns am Sat­tel, kurz vor dem letz­ten

Gip­fel­an­stieg, erst­mal rich­tig auf. Die Abfahrt ver­spricht Gutes — der Schnee der letz­ten Tage ist pul­v­rig und der Wind scheint nicht ins Loi­gis­tal vor­ge­drun­gen zu sein. Ein krö­nen­der Abschluss unse­res Van-Aben­teu­ers. Ein aller letz­tes Mal packen wir nun die Ski in den Bus, ver­stau­en das Geschirr, dre­hen die Sit­ze wie­der nach vor­ne und machen uns auf den Rück­weg nach Hagen­brunn. Mit im Gepäck sind schö­ne Tou­ren am Berg, eine tol­le Zeit mit Freun­den, eine Leh­rein­heit in Tetris und Mika­do sowie vie­le glück­li­che Momen­te im und rund um den Bus. Es war eng, es war kusche­lig, es war auf­wen­dig, immer Ord­nung zu hal­ten, es war viel Krame­rei aber allem vor­an ein ein­ma­li­ges Erleb­nis. Im Bus hat alles funk­tio­niert, und wenn man mal sein Sys­tem gefun­den hat, alles sei­nen rich­ti­gen Platz hat und man es auch stets wie­der dort­hin zurück stellt, fin­det man sich auch auf engem Raum bes­tens zurecht. Wir haben jene Frei­heit gefun­den, nach der wir uns gesehnt haben. Fle­xi­bel sein, auf Wet­ter und
ande­re Ein­flüs­se ohne viel Auf­wand reagie­ren kön­nen, nach eige­ner Lust und Lau­ne den Stand­ort wech­seln und dabei stets alles bei sich haben. Wir wer­den die­ses Aben­teu­er wie­der­ho­len — höchst wahr­schein­lich aber mit einem grö­ße­ren Wohn­mo­bil. Ich tei­le ungern mein Bett mit dem Ski­sack. Es bleibt uns nur noch zu sagen: #weLove­Cam­ping

Text + Fotos: Rene Sendl­ho­fer-Schag, Bikefex

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